Chance für
Destinationen durch Customer Relationship Management (CRM)
Ein Diskussionsbeitrag von Prof.
Dr. Wolfram Schottler
Die Tourismusentwicklung in den Destinationen in Deutschland
ist in den letzten Jahren vielen Bereichen erheblich professioneller geworden.
Dennoch gilt vielfach noch immer das gute alte „Me-too-Prinzip“ und wenig
innovative und wirklich originäre Projekte und Angebote werden entwickelt. Gleichwohl
geraten zahlreiche Tourismusentwicklungsprojekte gemäß dem Produktlebenszyklus
in den sinkenden Kurvenbereich, die Reinvestitionsphase. Gästezahlen stagnieren
und für eine nachhaltig starke Wettbewerbspositionierung fehlen bislang
Grundlagen zur aktiven Umsetzung innovativer Projekte und Relaunches.
Hier gilt das alte Sprichwort „Wer rastet, der rostet“. Gerade
angesichts der Wirtschaftskrise erhält die Tourismuspolitik in den
Destinationen strategische Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland,
der nicht nur Exportweltmeister, sondern auch höchstentwickelt im tertiären
Sektor ist. Vom Arbeitsmarkt der Dienstleistungsbranchen hängen in Deutschland
inzwischen bei ca. 2/3 der Gesamtwirtschaft ab.
Gebot der Stunde ist daher, dass Kreativwirtschaft und
Tourismus mit Innovationen und Erlebnisangeboten erkennbar ertüchtigt werden,
um ihre Rolle als regionaler Wirtschaftsfaktor und Arbeitsplatzmotor nachhaltig
für die Zukunft zu sichern. Die Tourismuspolitik der Länder ist hier zusammen
mit den großen Tourismusverbänden gefordert, Projekte zu initiieren, die
- kreatives Potenzial für die Abschöpfung von Wirtschaftskraft
aus dem Tourismus entwickeln
- neue starke Partnerschaften entlang der touristischen
Wertschöpfungsketten bundesweit in den Destinationen aktivieren
- Qualität in allen Kundenkontaktbereichen entwickeln
(hier ist die Initiative ServiceQualität Deutschland ein guter Weg)
- nachfragegerechte Themen nach Erlebnis-Gesichtspunkten
aus Kundensicht entwickeln
- den Tourismus erstmalig wirklich verkaufsfertig machen
und ein landesweites Vertriebssystem und Kundenmanagement schaffen
Deutschland
ist als Tourismusland äußerst vielseitig. Auch aus internationaler Betrachtung
besteht (glücklicherweise) keine homogene touristische Marke “Das ist
Deutschland“. Das bedeutet aber, dass jeder Incoming-Besuch in Deutschland wie
auch jede Form des Inlandstourismus von sehr unterschiedlichen Kundenmotiven
und –erwartungen geprägt sind. Viele Destinationen fischen dabei mit einfacher
auf statistischen Gästezählungen beruhenden Daten hinsichtlich ihrer
Vorstellungen von ihrem Klientel im Trüben, geschweige denn, dass sie eine prospektive
Vorstellung von ihren künftigen Zielgruppen entwickeln können.
Also
weiterhin: Brandenburger Tor, Schwarzwald, Oktoberfest und dann? Prof. Dr. Wolfram
Schottler: „Der Tourismus in Deutschland kennt seine Gäste nicht wirklich.
Außer einfachen Buchungsmasken in Orten und manchen Destinationen gibt es kein
effektives Vertriebssystem. Keine Destination kann praktisch ihr touristisches
Angebot verkaufen. Wie bei großen Reiseveranstaltern ist auch für Destinationen
mit Millionen von Übernachtungen eine unternehmerische Bündelung von
verkaufsfertigen Angeboten und die Einrichtung eines Multichannel-Vertriebssystems
mit CRM erforderlich bzw. überfällig.“
Der
Tourismus in deutschen Destinationen hat trotz guter Entwicklungen der letzten
Jahre noch großes Potenzial, das im Verdrängungswettbewerb der Destinationen im
In- und Ausland nur durch eine offensive unternehmerische Marktbearbeitung
erschlossen werden kann. Als deutliches Defizit in der unternehmerischen
Führung und Entwicklung des Tourismus in den Destinationen ist deshalb das
völlige Fehlen funktionierender Vertriebssysteme und –kanäle anzusehen! Weiterhin
folgen Markenbildung und Tourismusmarketing noch immer bewährten Mustern. Traditionell
beschränkt sich das Tourismusmanagement in den meisten Destinationen nur auf
Imagewerbung, Customer Relationship Management fehlt flächendeckend.
Dabei erweist
sich die aktive Gestaltung von Kundenbeziehungen in der Dienstleistungsbranche
Tourismus von existenzieller Bedeutung. Reiseveranstalter bemühen sich auch
beim Verkauf komplexer Leistungsbündel seit Jahren um CRM und machen gute
Erfahrungen. Auf Destinationsebene ist die Entwicklung bei halbherzig
organisierten Buchungssystemen oder Hotelsuchsystemen bisher stecken geblieben.
Gleichzeitig erodieren die bisherigen Imagewerbungsmittel, so dass die
Wirksamkeit des Landesmarketing sich zunehmend einschränkt. Daraus ergibt sich
die strategische Lücke, dass mit steigendem Werbeaufwand nicht mehr Geschäft
und Wirtschaftskraft generiert wird, wenn das beworbene Produkt nicht verkaufsfertig
gemacht und über verschiedene Kanäle erhältlich ist.
Angesichts
sinkender oder stagnierender wirtschaftlicher Kennzahlen ist es dringend
erforderlich, sich intensiv Gedanken über den Verkauf der Tourismusleistungen
über verschiedene Vertriebskanäle zu machen, um dadurch das Markenbewusstsein
für das Urlaubsland Deutschland und seine Regionen zu stärken und aktive
Wirtschaftsförderung zu betreiben. Prof. Dr. Wolfram Schottler: „Die
Entwicklung eines echten Vertriebssystems mit CRM, das einen aktiven Verkauf der
Destinationen auch im Bereich der Touristik ermöglicht, ist eine wesentliche Zukunftsherausforderung,
für Tourismuspolitik und -marketing.“
Die
Tourismusbrache hat besonders im Destinationsmanagement Nachholbedarf in der
Einführung eines umsatzgenerierenden kundenorientierten Verkaufssystem für
touristische Leistungen aus dem Land nach unternehmerischen
Marktentwicklungsstrategien mit Marktforschung und CRM. Der „First Mover“
entwickelt einen entscheidenden strategischen Vorsprung.
Unternehmen>Region
berät bei der Analyse der Grundlagen für die Einführung eines aktiven
Vertriebs- und CRM-Systems unter Einbeziehung der regionalen Verbände und
privaten Touristik, der Partner, Produkte, Kundenanforderungen, Technik,
CRM-Managementsystem, Abrechnungs-, Partner und Provisionsmodelle etc. und
entwickelt handlungsorientierte Entwicklungskonzepte, Leistungspartnerschaften
und verschiedene Organisationsmodelle.
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